| Erste Impressionen eines unerfahrenen Neulings... |
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von Marlies Kerssen Nach ausgiebigem Vorsingen war es Ende Mai endlich soweit, ich bekam einen festen Platz in der Sitzordnung im Probenraum und endlich mein langersehntes "Jubilee-Informationsblatt". Gut, nun wusste ich, dass ich die Noten von Klaus bekomme, Hanka an mein Geld will und ich mich bei Beate zu entschuldigen habe, falls mich irgendwelche höheren Umstände, die durch keinerlei Präventivmaßnahmen abwendbar sind, von einer Probenteilnahme abhalten sollten. Aber mir war nicht bewusst, was ich in den nächsten Monaten neben musikalischen Dingen alles lernen würde... Los ging es mit der Kleiderordnung: Klingt einfach: "Zieh dir etwas Schwarzes an und besorge dir ein buntes Tuch von Hilde." An die mitleidige Frage meiner Freunde vor Konzerten, wo ich denn so ganz in schwarz hingehe und ob jemand gestorben wäre, hatte ich mich schnell gewöhnt. Die Tuchbindeanleitung von Hilde klang in der Theorie auch noch ganz einfach, die praktische Umsetzung brachte mich jedoch schnell an die Grenzen meiner motorischen Fähigkeiten... Auch entkam ich nur durch Zufall einer weiteren Katastrophe: In der Probe nach dem Sommerauftritt im Collegienhof bei 30° C im Schatten wurden Proteste unter den Männern laut. Auch wenn sie es optisch gut fanden, dass einige Frauen Trägershirts mit tiefem Dekolletee und kurze Röcke trugen, wiesen sie darauf hin, dass der Chor durch seine Stimmen glänzen sollte und nicht durch die Optik einzelner Mitglieder. Gott sei Dank, ich hatte einen Rollkragenpullover an, nur nicht negativ auffallen!! Für das nächste Mal forderten sie geschlossene Oberteile und blickdichte (?!?) Strumpfhosen. Weiterhin hatte ich bald gelernt, dass Lukas, wie er von Norbert immer genannt wird, eigentlich Jakob heißt, gelegentlich auch Matthäus, also auf irgendein Evangelium hört er eigentlich immer... Als Norbert beim Konzert von Deborah Sasson freudestrahlend mit einem Autogramm und den Worten: "Guckt mal, sie hat sich sogar meinen Vornamen gemerkt", wiederkam, konterte Jakob nur kühl: "Daran kannst du dir mal ein Beispiel nehmen !!!" Eigentlich ist das Namenlernen der Jubilees doch recht einfach, man drucke sich die Fotos von der Internetseite aus und bastele ein lustiges Memoriespiel, zwei passen eigentlich immer zusammen (z.B. bei den Vornamen: Yvonne/Yvonne, Katja/Katja, Anke/Anke, Anne/Anne, Annett/Annett, Renate/Renate, Birgit/Birgit, Wolfgang/Wolfgang, Gerhard/Gerhard, Stefan/Stefan, sollte dies nicht klappen bzgl. der Nachnamen: Uschkrat/Uschkrat, Kleekamp/Kleekamp, Blödner/Blödner, Römer/Römer...). Das beeindruckende Konzert mit Deborah Sasson und Erkan Aki im Volkshaus hat mich noch etwas gelehrt: Der Chor ist wirklich für jeden Spaß zu haben, alle verfolgten bei "My fair Lady" die imaginäre, über die Bühne trampelnde Pferdeschar mit gestenreichen Blicken und brachen auch bei dem vom Pianisten imitierten Pferdewiehern nicht in Lachkrämpfe aus. Und noch einen weiteren positiven Nebeneffekt hat ein Einstieg bei den Jubilees. Die Anzahl der E - mails, die man so erhält, erhöht sich um ein Vielfaches. Vor allem bekommt man öfters Post von Wolfgang, der so etwas wie der Organisationsoberguru zu sein scheint und die Schaltzentrale des ganzen Clans. Vor meinem ersten Probenwochenende in Langenwetzendorf kamen wir bei unserem Projekt "Wie vermeide ich blöde Umwege" auf beachtliche 7 mails in 2 Stunden, bis wir die ideale Autobesatzung für einen so weitreichenden Trip geplant hatten. Auch habe ich nach einem langwierigen, schweißtreibenden Lernprozess mitbekommen, dass sich im Nachhinein doch alles zum Guten wendet, auch wenn die meisten seiner mails Überschriften wie: "Hilfe, Hilfe, Hilfe", "Hektik, Panik, Notruf", "Die nächste Katastrophe" enthalten. Was gibt es über das Probenwochenende noch zu berichten? Wir haben gesungen, gesungen, gesungen. Vor allem "The gift" wurde zum Ohrwurm, sogar auf der Damentoilette war man vor mehrstimmigen Versionen nicht sicher, auch wenn man von seiner Kabine aus nicht immer wusste, mit wem man sang. Nur der Bass hielt "The gift" schon für ins Deutsche übersetzt, nämlich für einen toxischen Angriff auf sein Nervenzentrum durch monotone, einfallslose Melodieführung. Nun könnte man denken, 8 h trällern macht auch den wildesten Klangkörper müde, aber nein. Was machte die verrückte Meute, als Norbert spät abends die Probe beendete und den Abend zum gemütlichen Beisammensein freigab? Sie sang natürlich weiter, zunächst nur Yvonne II aus dem Sopran I, Wolfgang I aus dem Bass I, Carina (die Allererste und Einzige unter den Jubilees, nützt ihr aber auch nix, leider weilt sie jetzt nicht mehr unter uns) und Katja (müsste nach meinen Berechnungen die II. sein, ich will ihr aber nicht grob fahrlässig einen höheren Titel streitig machen; Yvonne II aus dem Sopran I hilf !!!). Dieses benannte Quartett gab jedenfalls ein Michael Jackson medley zum besten, mit originalgetreuem, ins Mark gehenden "hoo- Schrei" durch Yvonne, was zu Lachanfällen im Publikum führte. Nur für Hilde (nein, nicht unsere tücherverteilendes Altmitglied, sondern die Katze des Hauses, was zu einigen Verwirrungen führte, z.B. bei Julias Feststellung: "Ich glaube, Hilde hat Flöhe.") war das alles zu schrill und sie suchte fluchtartig das Weite. Dann fiel dem Chor (genauen Keimherd dieses wahnwitzigen Einfalles konnte ich bis heute nicht ausmachen) ein, dass sie vor lauter Einstudieren von Weihnachtsliedern gar nicht die schönen Brucknerstücke wie "Locus iste" und "Ave Maria" gesungen haben, was Norbert mit fröhlicher Miene sofort zum Dirigat aufspringen ließ. Er hatte wahrscheinlich schon die ganze Zeit insgeheim überlegt, wie er seine Jubilees, auf die er so stolz ist, freiwillig dazu bewegen könnte. Und danach kam noch ein Lied, und noch eins. Und erste unmutäußernde, konditionsarme, Stimmprobleme vortäuschende Spielverderber wurden mit den Worten vertröstet: "Du kannst doch morgen wegen der Zeitumstellung eine Stunde länger schlafen". Und damit ich es auch ja nicht vergaß, erinnerte mich Claudia, als wir total fertig auf unser Zimmer gingen und in die Betten fielen, in kontinuierlichen Abständen noch mehrmals daran, dass ich doch meine Uhr vorstellen müsste. Leider vergaß sie in ihrer mütterlichen Sorge um meinen wohlverdienten Schlaf ihre eigene umzustellen. So ging sie Punkt 7 Uhr nach ihrer Zeitrechnung, also zum frühestmöglichen Zeitpunkt, in dem man in der Herberge auf warmes Wasser hoffen durfte, duschen. Blöderweise war es erst um sechs, was ihr auch schlagartig einfiel, als sie mit eingeseiften Haaren einen eiskalten Schauer aus der Brause abbekam. Aber einen positiven Nebeneffekt hatte es doch: Das ganze Zimmer war überpünktlich zum Frühstück und dem nachfolgenden Einsingen erschienen und konnte sich putzmunter voller Elan der morgendlichen Probe widmen. Alles in allem lässt sich sagen, dass in dieser Truppe der eine den anderen an Engagement und Einfällen übertrifft (siehe die Geschichte über die Revival Party von Yvonne) und alle für diesen Chor brennen. Ihr seht, was man verpasst, wenn man nicht dabei ist... |
©2011 Jena Jubilee Singers
