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von Yvonne Bruckauf, Gerhard Herzog und Jakob Reinisch
We Love To Entertain You Das erste Weihnachtskonzert 2005 - Drama aus drei Perspektiven
Alle Jahre wieder kommt das erste Konzert der Weihnachtszeit. Der gemeine Jublee wird an diesem Tag zum Spielball der Emotionen. So zeigt sich enorme Aufregung, weil eine neue Konzertsaison beginnt, und zeitweise sogar überschäumende Freude über das neue Programm, diese jedoch im steten Wechsel mit Versagensangst, weil man neue Lieder noch nicht (ganz auswendig) kann. Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison sieht man die Jubilee-Weibchen am Vormittag intensiv mit der Pflege ihrer selbst befasst - schließlich muss das Jubilee-Weibchen zum Konzert herzig aussehen. (Diese Tugend geht über die Saison mehr und mehr im "Ach schon wieder"-Stress unter.) Die Tücherfee Hilde bügelt alle Tücher, damit wir (insoweit) faltenfrei in den Winter starten. Auch die Jubilee-Männchen flattern gewaltig mit den Flügeln. Es ist unwahrscheinlich, dass an Konzerttagen wie diesen irgendwelche Technik fehlt, da alle besonders gut aufpassen. Andererseits weiß der gemeine Jubilee aus Erfahrung, dass sich Chor und der Chorleiter jedes Jahr ganz neu kennenlernen, wenn so manches Lied erklingt...
Die diesjährige Anlaufphase zum ersten Konzert war wieder einmal repräsentativ und zeigt, warum wir Jubilees alle so fest aneinander glauben. Drei Jubileesen schildern - unabhängig voneinander - ihre Geschichte:
Yvonne (die Zweite)

Samstag, 26. November 2005
16:30 Uhr (noch ein knapper Tag bis zum Konzert)
Ich begebe mich zu Wolfgang (dem Ersten), um die noch ausstehenden, aber notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Ich habe versprochen, für die Vorbereitung unseres Kültürbütrügs zur Weihnachtsfeier "Stimm-CDs" zu liefern, die jeden einzelnen meiner ohnehin gestraften Mitstreiter über den Inhalt seiner/ihrer 47-seitigen Singstimme auch auditiv ins Bild setzen sollen. Zum anderen sind Flyer für das anstehende Adventskonzert des Sonntages zu machen. Und schließlich muss ich mit Wolfgang noch ein Doppelsolo üben.
16:50 Uhr
Als ich ankomme, finde ich den bocklosesten Wolfgang meiner chorischen Erinnerung vor. Deshalb beginne ich erstmal mit den Flyern. Zuerst die Innenseite - das ist die mit den Liedtiteln. So unlustig Wolfgang auch ist, so verdrießlich lächelnd hockt er sich dennoch mit Kaufland-Halbbrille und Noten auf den Knien in meinen Rücken und diktiert mir die Titel und Namen der Komponisten. Lässig überspielt er seinen Unmut, als ich den Namen Rosephanye Powell nicht aus dem Stehgreif richtig schreibe. Die dem vorigen Jahr entstammende Vorfreude auf die USA-Tournee wird aus dem Fließtext gestrichen und durch den belanglosen Hinweis ersetzt, dass wir mal in Amerika waren.
18:00 Uhr
Die Innenseite des Flyers ist fertig, und ich beginne mit der Außenseite. Hier gilt es nunmehr, die widerstreitenden künstlerischen, pragmatischen, finanziellen und publizistischen Interessen der Chormitglieder zu koordinieren. Herzi zum Beispiel ist schon glücklich, wenn ich im Text darauf verweise, dass der Chor dereinst aus genau sechs (und nicht acht, neun oder fünfzehn) begeisterten Gospelfans entstanden ist. Klaus mag schnörkellose Schrift und will gerne Telefonnummern und Emailadressen deutlich sichtbar auf der Rückseite. Norbert weiß glaube ich gar nicht, dass es zu Weihnachten immer neue Flyer gibt. Der Chor im Übrigen steht auf äußerliche Schönheit und Bilder, was mich auch in diesem Jahr vor die Frage stellt, welchen Chorgesichtern ich den Weg auf die Frontseite ebne. Meine Wahl fällt auf Ricky, Anke die Vierte, Teresa und Carina (zugegeben - eine Reminiszenz an frühere Tage), die uns bald darauf, umrahmt von ein paar Glaskugeln und Tannenzweigen, in einer weihnachtlich triefenden Collage anlächeln. Ich klicke noch ein Leuchten in ihre Augen, damit es auch richtig schön anheimelt. Wolfgang will auch was - nämlich unbedingt eine der Vorstandsfrauen unter den Kontaktpersonen auf der Rückaußenseite haben. Wir knobeln es aus, und der Zufall erwählt Katja die Dritte, deren Telefon deshalb nun von hungrigen Fans bombardiert werden mag. (Wolfgang ist schuld.)
19:00 Uhr
Ein unbedachter Tastendruck bedeutet den Absturz der zum Ausdruck vorbereiteten Innenseite. Also setzt Wolfgang mit verzerrtem Lächeln die Kaufland-Halbbrille wieder auf und diktiert erneut - diesmal schreibe ich sogar Rosephanye Powell richtig.
20:00 Uhr
Der Drucker startet. Sinnigerweise haben wir "Optimal-Druck" eingegeben, und weil Wolfgangs Drucker beim Abbruch von Druckaufträgen spinnt, müssen wir jetzt jammervoll zusehen, wie er mit sorgsamer Überlegung in Millimeterschritten graue und schwarze Farbpigmente auf das Papier sprenkelt und dabei so endlos sorgsam und präzise arbeitet, dass man dabei einschläft. Eine Doppelseite kostet uns stolze fünf Minuten. Während nebenher ein Krimi im Fernseher tobt, staksen wir abwechselnd zum Drucker und legen quer durch Wolfgangs Wohnzimmer und Gästezimmer über Boden, Tische, Stühle, Betten und Sofas die druckfrischen Flyer aus.
22:00 Uhr
Der Film wechselt. Wir sind noch nicht fertig.
23:00 Uhr
Wir sind immer noch nicht fertig.
Sonntag, 27.11. 2005 - Das personifizierte Chaos Wieder in Wolfgangs Wohnung
Wider Erwarten sind die Flyer doch gestern noch fertig geworden. Wolfgang hat heute immer noch keine Lust, Stimm-CDs zu machen, aber da er ja ein netter Mensch ist und ich es den anderen versprochen habe, lässt er sich ohne weiteres Murren am Computer nieder. Bald schon korrigiert er die ursprüngliche Kalkulation von ½ Stunde pro CD auf 1 Stunde pro CD. Wir singen nebenbei das Doppelsolo und beobachten das sehr gemächliche Fortschreiten der CD-Brennerei.
10:40 Uhr
Zwischendurch ruft Katja die Erste an und teilt mit, wir möchten ihr in der Stellprobe einen Platz freihalten, weil sie sich noch irgendein Baby anschaut und deshalb eine halbe Stunde später kommt.
11:00 Uhr
Als nächstes ruft Jakob an: Eigentlich soll er heute Nachmittag schon in Bad Sulza sein, weil er direkt von Hannover dorthin durchfahren will. Jetzt kommt er aber doch mit dem Zug um 13:25 Uhr nach Jena und will vom Bahnhof abgeholt werden. Eigentlich wollen wir um 13:15 Uhr Beate abholen, dann Richtung Zwätzen fahren und dort um ca. 13:25 Uhr Birgit auflesen.
11:05 Uhr
Der Versuch, die widerstreitenden Zeitpläne irgendwie zu harmonisieren, scheitert kläglich. Wolfgang ruft deshalb Beate an, erreicht aber nur ihren Anrufbeantworter und bittet sie darum, sich wegen der Abfahrtzeit zurück zu melden.
11:07 Uhr
Nach längerem Grübeln findet Wolfgang, dass (eigentlich) Herzi den Jakob vom Bahnhof abholen kann, weil der nahe am Bahnhof wohnt. Er ruft also Herzi an und erklärt ihm, dass Jakob (eigentlich) heute Nachmittag schon in Bad Sulza sein sollte, weil er direkt von Hannover dorthin durchfahren wollte, dass er jetzt aber doch mit dem Zug ...., und er fragt Herzi, ob er denn Jakob vom Bahnhof abholen kann. Kann Herzi aber nicht. Irgendwie ist sein Auto voll, und er will (eigentlich) auch schon viel früher losfahren. Wolfgang sieht irgendwie müde aus, dabei ist es noch nicht mal Mittag. Ich setze mich geruhsam in eine Ecke seines Wohnzimmers und widme mich dem scharfkantigen, akkuraten Falten der Vortragsflyer.
11:10 Uhr
Wolfgang kommt auf die Idee, dass er Jakob am besten hinter dem Bahnhof abholen kann; Jakob soll über die stillgelegten Gleise laufen, das geht am Westbahnhof am schnellsten - schließlich stehen wir unter Zeitdruck. Beate hat noch nicht zurück gerufen.
11:13 Uhr
Die erste Stimm-CD ist fertig, ich darf sie gleich beschriften. Danach falte ich weiter an meinen Flyern herum und betreibe insgeheim psychologische Analysen über Wolfgangs Problemlösungsstrategien in punkto Jakob und Bahnhof und überhaupt. Derweil ruft Wolfgang wiedermal Jakob an und sagt ihm, dass er ihn am besten hinter dem Bahnhof abholen kann, dass Jakob über die stillgelegten Gleise .... Jakob sagt "okay."
11:15 Uhr
Weil ich immer meckere, wenn Leute zur Stellprobe zu spät kommen, kommt mir der Gedanke, ich könnte ja mal irgendwen im Sopran informieren, dass wir (Beate und ich als Sopranistinnen) heute wohl selber später kommen. Ich unterbreche also meine Flyerfaltung und rufe Katja die Dritte an, um ihr zu sagen, dass wir etwas später kommen, weil Jakob (eigentlich) heute Nachmittag schon in Bad Sulza sein sollte, weil er direkt von Hannover dorthin durchfahren wollte, dass er jetzt aber doch mit dem Zug um 13:25 Uhr nach Jena kommt und .... Katja geht aber nicht ran.
11:16 Uhr
Ich rufe Ricky an und sage ihr, dass wir etwas später kommen, weil Jakob (eigentlich) heute Nachmittag schon in Bad Sulza sein sollte, weil er direkt von Hannover dorthin durchfahren wollte, dass er jetzt aber und .... Ricky fragt nur, wer jetzt genau später kommt - sie ist eher der pragmatische Typ. Beate hat noch nicht zurück gerufen.
11:50 Uhr
Endlich ist die zweite Stimm-CD fertig. Ich darf sie gleich beschriften. Dann setze ich mein spannendes Flyerfalten fort. Beate hat noch nicht zurück gerufen.
12:20 Uhr
Katja die Dritte ruft an und fragt, was los ist. Ich sage, es hat sich schon erledigt. Weil Katja aber Katja ist, gibt sie sich damit nicht zufrieden, und deshalb sage ich ihr, dass ich schon Ricky angerufen habe, um ihr mitzuteilen, dass wir etwas später kommen, weil Jakob (eigentlich) heute Nachmittag schon in Bad Sulza sein sollte, weil er direkt von Hannover dorthin durchfahren wollte, dass er jetzt aber doch .... Beate hat noch nicht zurück gerufen.
12:31 Uhr
Als die dritte Stimm-CD fertig ist, ruft Herzi an. Er kann Jakob nun doch abholen, weil Volker ihm abgesagt hat, der eigentlich mit ihm fahren soll. Aha. Wolfgang erklärt ihm, dass er Jakob am besten hinter dem Bahnhof abholen kann. Jakob soll über die stillgelegten Gleise laufen, ... Herzi sagt "okay".
12:38 Uhr
Ich führe ein Telefonat mit meinen Eltern und lasse mir detailliert über die Zusammensetzung ihres Mittagessens berichten. Währenddessen ruft um 12.45 Uhr Beate an. Wolfgang sagt ihr, dass es sich (eigentlich) erledigt hat, und erklärt ihr, dass wir beinahe etwas früher zu ihr gekommen wären, weil Jakob (eigentlich) heute Nachmittag schon in Bad Sulza sein sollte, weil er direkt von Hannover dorthin durchfahren wollte, weil er jetzt aber doch mit dem Zug um 13:25 Uhr nach Jena kommt und ...., dass aber jetzt Herzi den Jakob abholt und deshalb alles bleibt wie es war. Oder so.
12:50 Uhr
Erneut ruft Jakob an und teilt uns mit, dass er jetzt mit dem Zug in Neudietendorf festsitzt, dass sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögert, und dass er eigentlich gar nicht mehr nicht weiß, wann er in Jena ankommen wird. Wolfgang bespricht etwa fünf Minuten lang mit ihm, ob Jakob jetzt Herzi anrufen soll, was voraussetzt, dass Wolfgang Jakob Herzis Nummer gibt, oder ob Wolfgang nicht lieber Herzi anruft, damit Herzi dann Jakob anrufen kann, oder ob Jakob generell bei Wolfgang anruft und Wolfgang quasi als Vermittler dann Herzi anruft, um dann nach diesem Anruf wieder Jakob anzurufen und ihm zu sagen, dass Herzi ihn angerufen hat, und natürlich was Herzi wollte. Oder so.
12:55 Uhr
Anschließend ruft Wolfgang den Herzi an und erklärt ihm, dass gerade Jakob angerufen und gesagt hat, dass er mit dem Zug in Neudietendorf festsitzt, dass sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögert, und .... - Er sagt Herzi die Telefonnummer von Jakob durch, damit Herzi Jakob anrufen kann und Jakob dann Herzi zurück rufen kann, ohne dass Wolfgang irgendwen anrufen muss. Geht doch.
13:00 Uhr
Niemand ruft mehr an. Wir sind tatsächlich fast fertig und sammeln das Gepäck: Noten, Flyer, Fliege, Tuch, Textblätter, Wasserflasche, und laufen die Treppe hinunter, bemerken nach achtzig Stufen Abgang, dass wir die Stimm-CDs auf Wolfgangs Küchentisch liegen gelassen haben. Wolfgang läuft also die achtzig Stufen wieder hinauf und holt die StimmCDs.
14:00 Uhr - Auf der Straße
Wir biegen - Beate und Birgit auf der Rückbank - an einer Kreuzung ab, die ich noch dunkel als die richtige in Erinnerung habe. Einige Kilometer weiter meint Wolfgang, dass wir falsch sind. Als wir schon beschlossen haben, dass wir umdrehen, treffen wir an einer Senke einen Radfahrer, der sich in entgegen gesetzter Richtung gerade mit Schwung den Berg hochhievt. Wir bremsen ihn aus und erfahren, dass wir völlig richtig sind. Der Radfahrer muss den Rest des Berges schieben und wird bestimmt kein Chorfan. Dann kommt aber doch Bad Sulza. Zwischenzeitlich haben wir Ricky und Katja die Dritte verloren, die kurz hinter uns fuhren und sich wahrscheinlich gewundert haben, ob wir jetzt völlig übergeschnappt sind, weil wir doch eigentlich viel später kommen wollten und jetzt doch vor ihnen fahren. Hoffentlich haben sie sich nicht verfahren, nachdem wir sie abgehängt haben.
14:15 Uhr
In der Kirche in Bad Sulza sehe ich zuerst Volker, der eigentlich mit Herzi kommen sollte, aber dann irgendwie doch abgesagt hatte und jetzt ..... äh, ich komme nicht mehr mit. Carsten hat heute seinen kreativen und quält uns beim Einsingen mit "ay-oh ayayayayayo ay-oh" und mit "my my my Marys Boy Child", obwohl wir das schon lange nicht mehr singen. Dann will er noch zwei, drei vier "My My My's" da-zwischen haben. In der Höhe schraubt er uns bis aufs "b", bis wir ihm gieksend zu verstehen geben, dass es reicht. Irgendwann fällt ihm dann noch das Phantom der Oper ein, und wir trainieren uns mit "The phantom of the Opera" in die Tiefe. Während des Einsingens kommen noch ungefähr fünfzehn Chormitglieder dazu, über deren Vormittag ich lieber gar nicht erst spekuliere. Darunter sind irgendwann auch Ricky und Katja die Dritte, die sich dummerweise verfahren hatten .... Der Kanonsingversuch scheitert, weil die Hälfte der Leute ihn nicht (mehr) kann. Der Ersatzkanon ist anfangs zu hoch, erst im zweiten Anlauf kommen wir hinein.
14:35 Uhr
Norbert besteht auf der gängigen Praxis, das Konzertprogramm kurz ansingen zu wollen. Das erste Lied "Follow That Star" soll als Einmarsch herhalten. Also los - die ganze Meute in die hintersten Kirchenwinkel und Abmarsch nach vorne. Schnell wird klar, dass das so nicht geht, immerhin kommt ja schon nach vier Takten eine Abfolge von vier Soli.
Norbert ist nicht zufrieden. Er will, dass wir so lange die ersten vier Takte mit dem Text "Follow That Star" wiederholen, bis wir alle vorne stehen. Wir "Follow'en that Star" also nach vorne, was dazu führt, dass über zwei geschlagene Minuten immer wieder "Follow That Star" erklingt: zuerst "Follow That Star", später dann "Follow the sdar" und noch später "Foudesar".
Norbert ist nicht zufrieden. Die ersten vier Solisten müssen nach vorne und ihr Solo singen, und wir marschieren wieder los: "Follow that star", "follo det staa", "foll-desar", "Uhhhh" - schon wieder bricht Norbert ab.
Er ist nicht zufrieden. Nachher sollen alle Solisten gleich am Anfang vorne stehen. Das ist allerdings auch blöd, weil dann zwölf Leute vorne stehen, von denen die Hälfte "Folldesar" und ähnliches singt, und die anderen ein Solo, und weil darüber hinaus auch noch der Rest von hinten angelatscht kommt und "follodesta" singt. Wir losen schon, wer an die Spitze der Einmarschierer muss, damit er uns zwischen den zwölf Solisten eine Bresche schlagen kann, so dass wir irgendwie noch auf die Bühne kommen.
Und Norbert ist immer noch nicht zufrieden. Er beschließt, dass wir mit "Allelujah" einmarschieren. Auch gut.
15:10 Uhr
Es geht das Gerücht um, dass Jakob in Neudietendorf oder Erfurt ein Taxi bestiegen hat und nach Weimar rauscht, wo Herzi ihn abholt. Wir lassen in unserer "Ansingprobe" "The Gift" als "problemlos" beiseite. Viel spannender ist ja auch "Oh little town of Bethlehem". Hier fällt Norbert auf, dass der Solist, nämlich Gerhard II., heute gar nicht da ist. Er will, dass Frank-Reiner das Solo singt, aber Frank-Reiner verweist auf Wolfgang I. und weigert sich. Wenn Frank-Reiner sich weigert, hilft alles Betteln nichts.
Norbert ist nicht zufrieden. Wolfgang I. und Frank-Reiner meinen, dass Christoph das Solo schon gesungen habe. Aber Christoph will, dass es Wolfgang I. singt. Der gibt den Ball an Christoph zurück. Nach einer vehementen, glücklicherweise gewaltlosen Beschallung von allen Seiten findet sich Christoph als schwächstes Glied in der Kette irgendwann vor dem Altar und singt grinsend das Solo. Vergleichsweise widerstandslos fügt sich das Solo-Quartett aus Strophe drei Norberts Begehr', nach vorne zu kommen.
Aber schon in der vierten Strophe ist Norbert wieder nicht zufrieden. Katja die Dritte macht Ärger, als sie zuerst ihre Solo-Koloratur gar nicht singt und dann unter dem Dach der Empore vom Raum verschluckt wird. Norbert fordert: Vor den Altar. Doch auch dort ist Katja nicht deutlich genug über die schnöden Massen gewöhnlicher Jubileesen erhoben, und es ertönt der gefürchtete Ruf: "Auf die Kanzel". Katja, erkennbar höhengeängstigt, fügt sich um ihrer solistischen Verantwortung willen nur widerwillig (sie ist aber nun geadelt und wird während des gesamten Weihachtsprogramms 2006 nie wieder auf irgendeine Kanzel müssen).
Bei "Oh Holy Night" wartet Norbert vergeblich auf den Sopran-Einsatz, aber er hat keinen Ton angegeben und sieht sich deshalb mit einer schweigenden, hilflos grinsenden Frauenfront konfrontiert. Sei's drum. "Steal away" wird als "problemlos" zur Seite gelegt - au weia. (Mir wird ganz bange, und die Erinnerung an das Eröffnungskonzert von 2004 kommt wieder, als der Chor etwa eine Quarte zu tief ansetzte, wir totales Schwein hatten, dass im Quartett Frank-Reiner in astronomische Tiefen vorstieß, Hilde ein zweiter Alt ist und Andreas auch mal Bariton singen kann. Wir Solisten wechselten auch mal schnell eine Stimmgruppe nach unten, und bei jedem Wechsel der Harmonie schwiegen dreißig Leute, während fünf Leute versuchten, sich einen Ton zu suchen, an den wiederum sich der Rest dann anhängte.)
Mangels liquidem Pianisten können wir heute auch Blue Christmas, unser fünftes neues Lied nicht vorher üben. Sei's drum. Der Versuch, "Hallelujah Christ is Born" anzuproben, scheitert erst an der Skepsis der Rhythmusgruppe und dann daran, dass Norbert sich diese Skepsis zu eigen macht. Langsam macht sich in der Meute Beunruhigung bemerkbar. Hanka zittert wegen des Sextetts und summt die ganze Zeit ihre Stimme vor sich hin. Lieder wie "Santa looked" fallen durch - "können wir" (nicht wirklich).
Am Schluss der höchst eigenwilligen Einübung kommt nun doch noch einmal "Follow That Star", und wieder gibt es solistische Uneinigkeiten. Andreas, der auch irgendwo singen soll, Gerhard und Jakob, sind überhaupt noch nicht da. Von Gerhard und Jakob und dem Zug in Neudietendorf haben wir nichts mehr gehört. Wir hoffen vertrauensvoll, dass sie schon noch kurz vor vier aufschlagen werden. Die Unklarheiten veranlassen Norbert, drüben im Pfarrhaus im Anschluss noch einmal alle vorhandenen Solisten von "Follow That Star" in Viererreihen aufmarschieren zu lassen, worauf sie immer und immer wieder ihre Linien durchsingen müssen, während rundherum die Jubileesen ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Sie gehen aufs Klo oder kommen von demselben.
Währenddessen probt das Frauensextett in der Kirche. Hanka zittert und zittert und sieht aus, als würde sie jeden Moment umkippen. Dass sich die Kirche langsam füllt, während wir noch üben, scheint uns nicht verwunderlich, denn das Konzert rückt bedrohlich nahe. Irgendwann schauen uns allerdings alle nur noch komisch an, und wir erfahren, dass die Gemeinde vor dem Konzert noch ihre Krypta einweihen will, und dass wir einfach nur stören. Im Gemeindehaus trinken alle kräftig Glühwein und laben sich an den Fettbemmen der Gemeindefrauen. Das Männerquintett gellt durch die Einfahrt, Nebelschwaden aus Atemluft vor den Lippen, und es dauert noch eine Weile, bis auch wir nochmal üben dürfen.
15:55 Uhr
Noch fünf Minuten bis zum Konzert. Da schlendert Jakob mit einem total albernen Stoffbeutel an der Kirche vorbei und grinst uns an. Backsteine der Erleichterung krachen auf den Boden - wir haben einen Pianisten! Gleich drei Frauen helfen Jakob beim Umziehen, flößen ihm im Schnelldurchlauf eine Tasse heißen Tee ein und päppeln durch gutes Zureden seine Stimmung auf, obwohl er längst wieder gut drauf ist. Herzi baut derweil hastig seine CD-s und den Werbeständer auf. Ach wie ist das Chorleben schön.
16:00 Uhr
Konzert.
Nun darf, wer noch immer nicht genug hat, die Geschichte aus der Perspektive von Herzi lesen

Sonntag, 27.11.2005
8:00 Uhr
Freudiges Erwachen zu den Klängen von Klassik-Radio. Endlich beginnt die Weihnachtskonzert-Saison!!
9:00 Uhr
Es folgt ein gemütliches Frühstück mit Stollen, Kaffee, Tee und Birgit. Voriges Jahr um diese Zeit kämpften wir um Birgits Leben. Tränen der Freude bei uns beiden. Nebenbei ertönt jetzt Weihnachtsmusik - natürlich die Jubilees mit dem Konzertmitschnitt von 2004. So hoffe ich, den einen oder anderen Textteil in mein Unterbewusstsein einzugravieren.
9:30 Uhr
Ich werde zusehends unruhig und entferne mich immer wieder von unserer Advents-Frühstücksidylle. Wo ist die Fliege - die goldene für die Adventszeit? Wo steht der CD-Koffer - nehme ich den braunen oder den schwarzen? Und - gemessen an der Prognose über das heutige Publikum: Wie viele CD-s von jeder Sorte soll ich eigentlich mitnehmen? Wechselgeld nicht vergessen! Wo zur Hölle ist das Einnahmeprotokoll, geschrieben und abgeheftet ist es, aber wo? Wo sind die schwarze Hose und das schwarze Hemd? Und Birgit: Hast du meine schwarzen Winterkonzertstiefel gesehen???
Schließlich: Wo sind die Sammelbehälter für die Kollekte? Birgit ist entsetzt - Du missbrauchst unsere geflochtenen Brotkörbchen zum Geldsammeln? - Ich versuche, den Einwand zu überhören. Wo? Wo? Wo?
Und: Wo sind, zum Teufel, die Noten??? - Ich finde sie verstreut über das Klavier und im Arbeitsrucksack. Hörbares Aufatmen. Langsam mehrt sich die Erkenntnis, dass eine Checkliste sinnvoll sein könnte.
Nebenbei eile ich immer wieder zum Advents-Frühstückstisch, wo meine Birgit, dem natürlichen Mitteilungsbedürfnis der Frauen folgend, über bis zu drei Räume hinweg mit mir zu kommunizieren zu versucht. Artig, aber aus naheliegenden Gründen unaufmerksam, antworte ich ihr in unregelmäßigen Intervallen "Ja mein Schatz, was sagtest du?" - "Ja mein Schatz." und wieder: "Ja mein Schatz."
Gegen 11:00 Uhr
Das Telefon klingelt. Wolfgang teilt mir mit, dass Jakob, einer unserer Tenöre und begnadeter Pianist obendrein, gegen 13:25 Uhr am Westbahnhof ankommen will. Da ich in der Nähe wohne, bittet er mich, Jakob dort abzuholen und mit nach Bad Sulza zu nehmen. Spontan muss ich allerdings verneinen, denn ich bin für 12:30 Uhr mit Volker verabredet, muss noch tanken und will als Erster in Bad Sulza sein. Diese Marotte hat technische Ursachen: Erstens finde ich in aller Ruhe einen Parkplatz für Skodty, meinen fahrbaren Untersatz, außerdem habe ich dann noch genügend Zeit, die Einrichtung des jeweiligen Konzertortes so umzugestalten, dass jeder Besucher am CD-Aufsteller und an unserer CD-Kollektion vorbei laufen muss.
11:10 Uhr
Langsam regt sich mein Gewissen, und die spontane Ablehnung tut mir leid. Wolfgang muss unbedingt pünktlich sein, da er ja im Männerquinsexseptett mitsingt und diese sich in gewohnter Weise erst kurz vor dem Auftritt entscheiden können, ob sie singefähig sind, was sie singen können und wer welche Stimme übernimmt. Außerdem dient Wolfgang als Chauffeur für einen Teil des Frauenquinsexseptetts. Während ich noch überlege, wie ich Volker zum Westbahnhof bestellen kann, ruft dieser bei mir an und teilt mir mit, dass er doch nicht bei mir mitfährt.
11:11 Uhr
Erleichtert rufe ich Wolfgang an und signalisiere ihm meine Bereitschaft, Jakob abzuholen.
11:15 Uhr
Jetzt ruft Wolfgang zurück und erklärt, Jakobs Zug verspäte sich, und ich könnte ihn am Bahnhof hinter den Gleisen abholen. Okay. Ich verpflichte mich, bis viertel-vier - heißt: viertel nach drei oder fünfzehn uhr fünfzehn - zu warten. Birgit versucht derweil weiter, mit mir zu kommunizieren.
11:20 Uhr
Mich trifft ein Geistesblitz. Ich hole Jakob einfach in Weimar am Bahnhof ab, dadurch Zeitgewinn und preiswertes Tanken in Isserstedt! Den neuen Tatbestand teile ich Wolfgang mit, und als Gegenleistung bekomme ich Jakobs Handynummer durchgesagt.
12:50 Uhr
Abfahrt.
13:15 Uhr
Ankunft in Weimar am Bahnhof. Laut der prompt eintreffenden Lautsprecherdurchsage werden sich alle Züge aus Richtung Erfurt um ca. neunzig Minuten verspäten.
13:30 Uhr
Jetzt dürfen die ICE's fahren, alle anderen Züge haben aber weiterhin Verspätung. Und zwar mindestens 120 Minuten.
13:45 Uhr
Neue Durchsage: Vorläufig ist mit keinem Zug aus Erfurt zu rechnen. Neuer Geistesblitz: Jakob kann ein Taxi nehmen! Aber wie erreiche ich ihn ohne Handy, Telefonkarte und Kleingeld??? Letzteres wird mir in sämtlichen Geschäften des Bahnhofs verweigert, weil ich nichts kaufen will, selbst gegen einen 10-Euro-Schein bleiben alle hart. Standhaft umschleiche ich derweil den Bockwurststand. In meiner Not kaufe ich schließlich einen Apfel und ein Wasser. Dafür kriege ich zwar nicht die erhofften 50-Cent-Stücke, aber auch mit Euromünzen läst es sich - wenngleich teuer - telefonieren.
14:15 Uhr
Erstes 1-Euro-Telefonat mit Jakob. Der Zug steht irgendwo im Gelände von Neudietendorf. Ich erteile ihm den Auftrag, in Erfurt den Zug zu verlassen und sich ein Taxi zu nehmen, falls er überhaupt in Erfurt ankommt. Sein Vorschlag, mit dem Taxi dann gleich bis Bad Sulza zu fahren, bringt nur Kosten, aber keinen Zeitvorteil - schließlich bin ich ja schon in Weimar.
14:30 Uhr
Zweites 1-Euro Telefonat mit Jakob. Der Zug bewegt sich.
14:40 Uhr
Drittes 1-Euro Telefonat mit Jakob. Jakob sitzt im Taxi.
15:18 Uhr
Der RegionalExpress aus Erfurt wird angekündigt. Ich wette mit mir, wer wohl zuerst da ist. Der Zug ohne Jakob, oder das Taxi mit Jakob.
15:20 Uhr
Der Zug fährt ein. Ich gewinne - gleichzeitig biegt Jakobs Taxi um die Ecke. Die Kosten einschließlich Mehrwertsteuer und Blitzerwarnung des Taxifahrers betragen 35 Euro.
15:30 Uhr
Alle Ampeln haben sich gegen uns verschworen, permanent Rotsucht.
15:50 Uhr
Wir sind in Auerstedt. Ich gebe Jakob die Anweisung, sich schon mal im Auto umzuziehen und gleich in die Kirche zu rennen, während ich einen Parkplatz für Skodty suche.
15:55 Uhr
Skodty verkehrswidrig direkt an der Kirche abgestellt und Jakob an Umkleidedamen übergeben. Yvonne adelt mich spontan zum Helden des Tages, was meinem nach Anerkennung heischenden Seelchen heute noch guttut.
Gern geschehen!
16:00 Uhr
Konzert.
Und nun der Hauptakteur: Jakob "Lucas-Matthäus", der Pianist

Sonntag, 27.11.2005
9:48 Uhr
Ich besteige zwanzig Kilometer südlich von Hannover eine S-Bahn und starte damit die Anreise für das um 16:00 Uhr stattfindende Adventskonzert in Bad Sulza.
10:26 Uhr
Ich klettere in Hannover in einen ICE in Richtung Göttingen - erste Etappe gut gegangen.
11.00 Uhr
Ich schaffe in Göttingen den RegionalExpress nach Chemnitz - nun kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Deshalb rufe ich gleich mal Wolfgang an, um ihn zu fragen, ob jemand mich um ca. 13.45 Uhr in Bad Sulza am Bahnhof abholen könne. Wolfgang möchte mich lieber schon in Jena auf ein Auto verteilen, hat aber selbst keinen Platz mehr und verspricht sich zu melden. Ich sage: "Okay."
Anmerkung der Redaktion: Der geneigte Leser wird sich sicherlich wundern, dass Jakobs und Yvonnes Erinnerung hier so passabel zueinander passen. Was Wolfgang also am Telefon auch immer zu Jakob gesagt (bzw. gemeint) hat - es wird als ein ungelöstes Rätsel in die Geschichte der Jubilees eingehen - er selber hat's nicht so mit dem Schreiben. ;-)
12.50 Uhr
Der Zug richtet sich in Neudietendorf auf eine längere Wartezeit ein - keiner weiß, wann's weitergeht. Ich rufe Wolfgang an und teile ihm mit, dass ich nun gar nicht weiss, wann ich evtl. wo sein werde. Wolfgang sagt mir, dass Herzi für meinen Weitertransport zuständig ist und er ihn informieren wird.
13:00 Uhr
Herzi ruft an, nachdem Wolfgang ihm meine Nummer gegeben hat, um zu fragen, was er tun soll. Ich schildere ihm meine Lage. Es wird vereinbart, dass ich mich melde, wenn es weiter geht.
13:05 Uhr
Ich überlege, in den ICE zu steigen, der auf dem Nebengleis steht. Vielleicht fährt der ja schneller nach Weimar… Ich verwerfe den Plan aber, da der ICE ja nicht bis Jena fährt...
13:10 Uhr
Der ICE fährt ab, der RegionalExpress steht noch immer. Ich denke nur: Mmmmh...
13:25 Uhr
Herzi ruft an und sagt, er fahre nun nach Weimar, um dort auf mich zu warten, da man von Weimar aus schneller in Bad Sulza sei. Ich sag mal: "Okay". Herzi hat aber, wie ich höre, kein funktionierendes Handy. Damit wird die ganze Kommunikation nun etwas schwieriger. Wir beschließen, dass Herzi von der Telefonzelle anruft, wenn er in Weimar am Bahnhof ist.
13:40 Uhr
Ich verfluche die Klavierspielerei. Würde ich da nicht gebraucht, könnte ich ganz gemütlich im Zug sitzen und das Konzert in den Wind schreiben...
Anmerkung: An dieser Stelle vermutet die Redaktion, dass es sich um einen vom Frust geweckten Ausbruch handelt. Eigentlich spielt Jakob nämlich gerne Klavier.
13:45 Uhr
Ein Fortschritt. Immerhin erfahre ich nun den Grund für das lange Warten: In Erfurt sind alle Computer des Schaltwerks abgestürzt. Na super!
13:50 Uhr
Ich überlege, mir ein Taxi zu nehmen, dass wäre aber von Neudietendorf bis Weimar ziemlich teuer. Außerdem: Ob da überhaupt eines aufzutreiben ist?
13:52 Uhr
Ich male mir aus, zu trampen, aber ob das dann zeitlich hin haut? Außerdem hat Herzi doch kein Handy, so kann man sich ja gar nicht wieder finden...
Anmerkung: Auch hier muss die Redaktion einhaken. Das Trampen hätte der Chor gar nicht gut gefunden, wir pflegen und lieben unseren Pianisten nämlich, und wir wollen ihn vor allem gesund behalten. Hätten wir gewusst, dass er so verzweifelt war, hätten wir ihm einen Privatjet geklaut und hingeschickt und die Kosten dem Steuerzahler in Rechnung gestellt.
13:55 Uhr
Der RegionalExpress fährt an. Es kommt Hoffnung auf.
14:00 Uhr
Herzi ruft an. Er ist jetzt in Weimar. Ob der Zug wieder führe? Ich sage weise: "Ja, aber mal sehen."
14:08 Uhr
Der Zug hält wieder an. Diesmal mitten in der Pampa.
14:15 Uhr
Herzi ruft wieder an. Ob der Zug noch führe? Ich antworte weise: "Nee, aber mal sehen." Herzi fragt, ob ich ein Taxi nehmen könnte. Ich sage: "Nein, jetzt nicht mehr. Ich komm nicht aus dem Zug!"
14:25 Uhr
Der Zug fährt wieder an, diesmal sogar etwas länger und schneller. Ich schöpfe vage Hoffnung, ab Erfurt müsste es ja wieder schneller gehen...
14.40 Uhr
Der Zug hält wieder, irgendwo zwischen Erfurt-Bischleben und dem Hauptbahnhof.
Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle haben die Redaktionsmitglieder ihre Portemonnaies geöffnet und erste Spenden für den Privatjet gesammelt. Das war ja kein Zustand.
14:45 Uhr
Herzi ruft an. Ob der Zug führe? Ich antworte, wieder mal weise: "Nein, aber mal sehen." Und - in zaghafter Voraussicht: "Erfurt ist nicht mehr weit." Dann teilt Herzi mir mit, dass es soeben in Weimar die Ansage gab, dass in den nächsten 2 Stunden keine Züge aus Erfurt mehr kommen werden. Na super! Wir beschließen, dass ich in Erfurt ein Taxi nehme - egal woher und was es kostet.
14:50 Uhr
Der Zug fährt wieder an.
15:00 Uhr
Der Zug fährt in Erfurt ein. Ich steige aus und besteige gleich wieder - ein Taxi. Mit Tempo 140 (in der 80er-Zone) geht's gen Weimar. Der Fahrer meint zu wissen, wo die Blitzer stehen … Ach ja, und nach Bad Sulza gibt's dann noch einen...
15:05 Uhr
Ich rufe Wolfgang an und teile ihm in naiver Vorfreude mit, dass ich pünktlich in Bad Sulza zu sein gedenke.
15:20 Uhr
Mein Taxi erreicht den Weimarer Bahnhof. Zwei Minuten vorher ist der RegionalExpress eingefahren. Herzi wartet schon. Der Spaß kostet 35 Euro.
15:55 Uhr
Wir erreichen erschöpft Bad Sulza. Die Ankunft wird gebührend gefeiert.
16:00 Uhr
Konzert.
Nachtrag
Am nächsten Tag habe ich 1 Stunde am Paradiesbahnhof verbracht und versucht, das Geld für's Taxi wieder zu kriegen. Das ging leider nicht. Dafür muss die Verspätung so groß sein, dass man sei Fahrziel am selben Tag nicht erreichen kann. Wenn man im Fernverkehr fährt, hätte man wenigstens einen 10 Euro Gutschein bekommen. Den aber auch nur in Erfurt! Na super!
Anmerkung der Redaktion: Spenden für den Privatjet werden ab sofort entgegen genommen. |