| Pfiffelbach - Klappe die Zweite |
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von Anja Priewe "Ich fühl' mich so hin- und hergerissen!", bemerkt Hanka, während sie von einem Bein aufs andere wippt. Schuld daran trägt der Pantomime-Künstler Harald Seime, der den Jubilees an diesem Sonntag zeigen will, dass zum erfolgreichen Singen ein mindestens ebenso gutes ‚Embodyment'-Konzept gehört. Das ruft bei Conny rumpelstielzchenartige Bewegungen und einen von ihr bisher noch nicht gekannten enormen Stimmausbruch hervor - das Gegenüber soll sich erschrecken - die Übung ist geglückt. Unser Lehrer zeigt sich begeistert. Zum nunmehr zweiten Mal in diesem Jahr workshopen die Jubilees in Pfiffelbach, einem kleinen Ort nahe Apolda. Das Weihnachtsprogramm möchte geprobt werden. Wir singen von "Bethlem" und "Christ is born!" - ohne Stollen und Glühwein und das mitten im Oktober - halleluja! Dafür aber gibt es Bienenstich von Beate und Hirschkuchen von Birgit. Die Eltern eines Chormitgliedes kommen vorbei. Sie werden von allen herzlich begrüßt. Sie hören die Jubilees zum ersten Mal und scheinen von der ‚massiven Stimmengewalt' des Chores beeindruckt. Norbert ändert mal eben seinen Probenplan und lässt das Lied "Every time" singen, in dem die Tochter der anwesenden Gäste ein Solo hat. Sie scheint wenig begeistert, vor allem aber aufgeregt - insgeheim aber ist sie dem Chorleiter zutiefst dankbar. Später am Abend proben die Damen "Shout". Ein pausierendes Mitglied kommt überraschend mit ihrem wenige Monate alten Baby vorbei. Ein lautes "Ohhhhhhhh!", gefolgt von einem "Uhiiiiiii, nein wie niedlich!", geht durch die Menge. Wer will da noch behaupten, die Deutschen seien kinderfeindlich? Die Jubilees beweisen an diesem Abend das Gegenteil. Die offizielle Probe ist vorbei, aber vom Aufhören kann noch nicht die Rede sein. Gerhard Schöne wird aus der tiefsten Versenkung des Gedächtnisses rausgekramt. Voller Begeisterung wird das Lied vom Popeln angestimmt. Immerhin kommt man gemeinsam auf ca. drei Strophen. An dieser Stelle noch einmal eine Zusammenfassung, für alle, bei denen die Erinnerungen an die Kindertage auch schon ein wenig verblasst sind:
Das Lied ist ausgeknobelt, für jeden der popelt! Hast du mal eine Freundin, dann sei immer nobel! Ein Popel, ein Popel, ein Popel olala! Es folgt ein Lied, welches von einem Mädchen berichtet, das es mit der Körperhygiene nicht so hoch hält - mir geht der moralisch-appellative Charakter des Liedes durch den Sinn - raffiniert diese Kinderliedtexte! Zudem muss ich unweigerlich an die Waschmöglichkeiten der Pfiffelbacher Schule denken - aber eine Schule ist nun mal für den Aufenthalt von Kindern am Tag vorgesehen und eher weniger als Übernachtungsmöglichkeit für größere Volksmassen ... Das war uns aber vorher klar. Am späten Abend kommen wir in den Genuss, das selbst geschriebene Hochzeitsständchen für Judith noch einmal zu hören. Eine kleine Gruppe von uns fuhr am 30. September nach Lauterbach, wo Judith ihrem Nicolai das Ja-Wort gab. Unsere sieben Jubilee-Repräsentanten schlichen sich während der Trauung auf die Empore der Kirche und sangen, wie Engel vom Himmel (Der Vergleich hinkt keineswegs! Ich habe die Fotos gesehen!) ein paar Lieder aus unserem Repertoire. Judith berichtete mir von dem Ereignis mit glänzenden Augen. Es war sicherlich ein unvergesslicher Moment. Doch dem nicht genug: Am Abend gab es auf der Hochzeitsfeier noch einen kleinen Rapp: Gekonnt gereimte Zeilen, die Judiths Zeit als Jubilee resümierten - mal wieder eines dieser genialen Gedichte, die man als Chormitglied entweder zur Geburt des Kindes, zur Hochzeit oder als Chorleiter hin und wieder gewidmet bekommt. Seither überlege ich ernsthaft, was für mich von diesen Dingen am ehesten zu realisieren wäre. Ich werde wohl den Beruf des Chorleiters anstreben ;-) Nachtruhe? Ja, irgendwann gegen zwei Uhr beschließt die Mehrheit doch ‚zu Boden' zu gehen. Die ganz Jungen hat es zwischen Bastelscheren und Buntstiften schon danieder gerafft. Die etwas ältere Generation hingegen denkt noch gar nicht an Schlaf: War es der Rotwein? Das Kichern im letzten Zimmer will kein Ende nehmen. Zwischendurch ein nicht ernst gemeintes Psttttt, um den Schlaf der Jugend nicht zu stören. Sonntagmorgen: Klaus, unsere gute Fee, hat den Kaffee gekocht. Am Frühstückstisch tauscht man die neuesten Marmeladenkreationen aus. Jakops Delikatess-Pflaumenmus gewinnt mit klarem Abstand den diesjährigen Preis: Seine steinschlagartige Masse ist es, nach meinem Empfinden auch ohne zu probieren, wert, die Auszeichnung zu erhalten. 9.30 Uhr - die Probe beginnt. Diszipliniert stehen die Jubilees in Reih' und Glied und führen dankbar die Aufwärmübungen für Körper und Stimme aus, die ihnen von der Einsingspezialisten gezeigt werden. Draußen rauscht es in den Bäumen - es ist Herbst geworden. Kurz nach zwölf wird das Embodyment-Programm zufrieden abgeschlossen. Katjas Eltern, die die Unterkunft für uns organisiert hatten, kommen vorbei. Wir singen einen schwungvollen Gospel als Dankeschön. Am Ende veranstalten wir noch ein Putzstar-Casting: Wer hat die beste Technik und darf damit rechnen zum Recall eingeladen zu werden? Einige sind schüchtern, trauen sich nicht - Text vergessen gilt hier nicht, nur die Besten kommen eine Runde weiter. Nach zögerlichem Abwarten lässt sich auch Anke zum Mitmachen bewegen. Ihre systematische Schleifen-Methode überzeugt die Jury. Bei so einer gelungenen Gemeinschaft, mal ehrlich: Wer geht da nicht gern ungewaschen zu Boden? ;-) |
©2011 Jena Jubilee Singers
